Kaum eine Figur des 20. Jahrhunderts hat die politische Landkarte des Nahen Ostens so fundamental neu gezeichnet wie ein blasser Geistlicher aus der iranischen Provinz. Ruhollah Khomeini – genannt Ayatollah – verwandelte eine tausendjährige Monarchie in einen Gottesstaat und schuf mit der Islamischen Republik ein System, das bis heute Schiiten und Sunniten, Revolutionäre und Reformer gleichermaßen beschäftigt.

Geboren: 17. Mai 1900 · Gestorben: 3. Juni 1989 · Oberster Führer: 1979–1989 · Amtsdauer: 9 Jahre, 6 Monate · Kinder: 7 · Konflikt: Iran-Irak-Krieg (1980–1988)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • Erster oberster Führer der Islamischen Republik Iran (Wikipedia)
  • Führte die Islamische Revolution 1979 an (WELT)
  • Etablierte das System des obersten Rechtsgelehrten (Velayat-e Faqih) (domradio.de)
2Was unklar ist
  • Genauer Geburtszeitpunkt: 17. Mai 1900 nach verbreiteter Angabe, mehrere Quellen nennen den 24. September 1902 (ParsToday Deutsch)
3Zeitleisten-Signal
  • 1964: Exil nach Brandreden gegen den Schah (WELT)
  • 1. Februar 1979: Triumphale Rückkehr nach Teheran (domradio.de)
  • 3. Juni 1989: Tod nach Herzinfarkt (Wikipedia)
4Wie es weitergeht
  • Das System der Velayat-e Faqih bleibt unter Ali Khamenei in Kraft (Wikipedia)
  • Khomeinis Erbe prägt die iranische Innen- und Aussenpolitik bis heute (WELT)
  • Protestbewegungen im Iran hinterfragen zunehmend die theokratische Verfassung (Wikipedia)

Zehn zentrale Fakten aus Khomeinis Leben in der Übersicht – von der Herkunft bis zur politischen Doktrin, die den Iran bis heute prägt.

Merkmal Angabe
Vollständiger Name Ruhollah Mostafavi Musavi Khomeini
Geburtsdatum 17. Mai 1900
Geburtsort Chomein, Iran
Todesdatum 3. Juni 1989
Todesursache Herzinfarkt nach Operation
Amtszeit als oberster Führer 3. Dezember 1979 – 3. Juni 1989
Ehefrau Khadijeh Saqafi
Kinder 7
Wichtige Werke „Islamische Regierung“ (Velayat-e Faqih)
Politische Ideologie Khomeinismus

Wofür ist Ayatollah Khomeini bekannt?

Der Kern seiner Wirkung

Khomeini verschmolz schiitische Gelehrsamkeit mit revolutionärer Politik – eine Synthese, die vor ihm kein Geistlicher in dieser Konsequenz gewagt hatte. Sein Modell hält bis heute.

Frühes Leben und Ausbildung

  • Geboren 1900 in Chomein als Sohn einer Gelehrtenfamilie (ParsToday Deutsch)
  • Verlor seinen Vater früh und wuchs unter schwierigen familiären Umständen auf (ParsToday Deutsch)
  • 1921: Umzug nach Qom zum Studium an der theologischen Hochschule (ParsToday Deutsch)

In Qom stieg Khomeini zu einem anerkannten Lehrer für islamische Rechtswissenschaft, Philosophie und Mystik auf. Bereits vor dem Tod seines Mentors Ajatollah Borudscherdi galt er als Autorität in der schiitischen Gelehrtenschaft (ParsToday Deutsch). Seine frühen Schriften kreisten um Ethik und Mystik – ein Kontrast zum späteren Revolutionspolitiker.

Fazit: Khomeini war kein Populist von der Strasse, sondern ein hochgebildeter Theologe, der seine politische Wende aus dem Studium der schiitischen Rechtstradition heraus entwickelte. Seine Autorität speiste sich aus jahrzehntelanger Gelehrsamkeit.

Exil und Rückkehr

  • 1963: Führte die offene Revolte gegen den Schah in Qom an (WELT)
  • 1964: Nach mehreren Brandreden ins Exil gezwungen (WELT)
  • 1. Februar 1979: Rückkehr nach Teheran als Triumphzug (domradio.de)

Das Exil – zunächst in der Türkei, dann im Irak und schliesslich in Frankreich – machte Khomeini zur globalen Symbolfigur des Widerstands. Von Frankreich aus steuerte er medial geschickt den Sturz von Mohammad Reza Pahlavi (Wikipedia). Die Bilder seiner Rückkehr an Bord einer Air-France-Maschine gingen um die Welt.

Fazit: Khomeini verstand das Exil als politische Bühne, nicht als Niederlage. Seine Kassettenreden und Interviews schufen eine transnationale Revolutionsgemeinschaft, die das Inland nicht mehr kontrollieren konnte.

Rolle in der Islamischen Revolution

  • Proklamierte im April 1979 die Islamische Republik Iran (WELT)
  • Die neue Verfassung machte ihn zum politischen und religiösen Führer auf Lebenszeit (WELT)

Die Revolution vereinte liberale Kräfte, Marxisten und Kleriker – aber Khomeini setzte sich als stärkste Figur durch. Er liess per Referendum die Islamische Republik ausrufen und schrieb die Doktrin des obersten Rechtsgelehrten in der Verfassung fest. Liberale und linke Verbündete wurden in den folgenden Jahren systematisch entmachtet.

Die Implikation: Khomeini nutzte die breite Revolutionskoalition nur als Hebel. Sein Ziel war von Anfang an ein Gottesstaat, kein demokratischer Pluralismus.

Was hat Khomeini mit dem Iran gemacht?

Der fundamentale Bruch

Khomeini ersetzte eine 2500-jährige Monarchie durch ein politisches System, das bis heute keinem anderen Land der Welt gleicht – eine Theokratie mit republikanischen Fassaden.

Einführung der Velayat-e Faqih

  • Khomeini etablierte die Doktrin des obersten Rechtsgelehrten (Velayat-e Faqih) als Staatsdoktrin (domradio.de)
  • Er schuf eine theokratische Regierung und löste die Monarchie ab (WELT)

Das Konzept der Velayat-e Faqih – „Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“ – war Khomeinis originäre politische Innovation. In seinem Buch „Islamische Regierung“ (1970) legte er dar, dass in Abwesenheit des verborgenen zwölften Imams ein qualifizierter Geistlicher die politische Führung übernehmen müsse. Vor Khomeini hatte diese Idee in der schiitischen Theologie nur eine randständige Rolle gespielt (Wikipedia).

Auswirkungen auf die iranische Gesellschaft

  • Einführung der Scharia als Grundlage der Rechtsprechung
  • Einschränkung der Frauenrechte – unter anderem Zwang zur Verschleierung und Einschränkung des Berufslebens (WELT)
  • Zensur und Unterdrückung freier Medien und Meinungsäusserung

Die gesellschaftlichen Veränderungen waren tiefgreifend. Khomeini liess die Universitäten einer islamischen Revolution“ unterziehen, schloss viele Fakultäten vorübergehend und säuberte den Staatsapparat von Anhängern des alten Regimes. Die sogenannte Islamische Kulturrevolution (1980–1983) zementierte den Einfluss der Geistlichkeit auf das Bildungswesen.

Unterdrückung politischer Opposition

  • Systematische Verfolgung von Oppositionsgruppen, darunter liberale Demokraten und linke Organisationen
  • Hinrichtungswelle nach der Revolution mit Tausenden Toten
  • Gründung der Revolutionsgarden (Pasdaran) als parallele Streitmacht

Khomeini duldete keine Opposition. Die Volksmudschahedin und andere linke Gruppen wurden blutig verfolgt. In den Jahren 1988 – gegen Ende des Iran-Irak-Krieges – ordnete er Massenhinrichtungen politischer Gefangener an, die nach Schätzungen Tausende das Leben kosteten. Der genaue Umfang ist bis heute Gegenstand historischer Forschung.

Der Preis der theokratischen Stabilität: Khomeini sicherte dem Klerus die absolute Kontrolle – aber um den Preis einer der repressivsten Staatsapparate der Region.

Wie starb Ayatollah Khomeini?

Krankheit und medizinische Behandlung

  • Khomeini litt in seinen letzten Lebensjahren an Herzbeschwerden
  • Er wurde 1989 mehrfach medizinisch behandelt, unter anderem im Herzkrankenhaus in Teheran

Im Mai 1989 unterzog sich der 89-Jährige einer Operation. Sein Gesundheitszustand blieb angespannt, die Ärzte kämpften um seine Stabilisierung. Die iranische Führung hielt die Öffentlichkeit über die Schwere seiner Erkrankung zunächst zurück.

Todesursache

  • Khomeini starb am 3. Juni 1989 im Alter von 89 Jahren an einem Herzinfarkt nach einer Operation (Wikipedia)
  • Sein Tod wurde als „Entrückung“ (Rahil) bezeichnet, ein Begriff, der im schiitischen Sprachgebrauch heiligen Persönlichkeiten vorbehalten ist

Der Herzinfarkt trat wenige Tage nach der Operation ein. Die offizielle Todesmeldung löste im Iran eine Welle der öffentlichen Trauer aus, die in ihrer Intensität alle Erwartungen übertraf.

Staatstrauer und Beerdigung

  • Seine Beerdigung wurde von Millionen Menschen besucht und führte zu Massenaufläufen (domradio.de)
  • Der Sarg wurde mehrfach von der Menge gerissen, Leichenteile gingen verloren
  • Das Mausoleum von Khomeini südlich von Teheran ist bis heute eine Pilgerstätte

Die Beerdigung geriet zur chaotischen Massenveranstaltung. Schätzungen zufolge nahmen bis zu zehn Millionen Menschen an den Trauerfeierlichkeiten teil – einer der grössten Menschenaufläufe der Geschichte. Die iranische Regierung musste die Beisetzung aus Sicherheitsgründen verschieben. Khomeinis letzte Ruhestätte wurde zu einem riesigen Mausoleumskomplex ausgebaut, der bis heute von Anhängern besucht wird.

Der Tod des Revolutionsführers hinterliess ein Machtvakuum – und zugleich die Gewissheit, dass sein System ohne ihn weiterbestehen würde. Die Nachfolgefrage war bereits im Vorfeld geregelt worden.

Warum kämpfte Saddam gegen Khomeini?

Hintergründe des Iran-Irak-Krieges

  • Der Iran-Irak-Krieg dauerte von September 1980 bis August 1988 (Wikipedia)
  • Saddam Hussein hoffte, die Islamische Revolution zu stürzen und territoriale Gewinne zu erzielen (WELT)

Saddam Hussein betrachtete das revolutionäre Iran als existenzielle Bedrohung seiner Baath-Partei-Herrschaft. Khomeini rief öffentlich zum Sturz der „gottlosen“ Regime in der Region auf, was Saddam persönlich adressierte. Hinzu kamen alte Grenzstreitigkeiten um den Schatt-el-Arab-Wasserweg und die Provinz Khuzestan.

Das Paradox des Krieges

Khomeini nutzte den Krieg zur inneren Konsolidierung, während Saddam den Konflikt unterschätzte. Statt einer schnellen Eroberung folgten acht Jahre Stellungskrieg mit einer halben Million Toten – für beide Seiten ohne territorialen Gewinn.

Verlauf des Krieges

  • Irakischer Überraschungsangriff im September 1980
  • Iranische Gegenoffensive ab 1981 mit hohen Verlusten (Menschenwellen-Angriffe)
  • Chemiewaffeneinsatz durch den Irak ab 1983, der international verurteilt wurde
  • Waffenstillstand am 20. August 1988 nach UN-Resolution 598

Khomeini bezeichnete die Annahme des Waffenstillstands als „Giftbecher“ – eine bittere Entscheidung, die er widerwillig traf. Der Krieg hatte den Iran an den Rand der Erschöpfung gebracht. Khomeini machte keine territorialen Gewinne, aber er hatte den irakischen Angriff überlebt und sein Regime gestärkt.

Humanitäre und wirtschaftliche Folgen

  • Schätzungsweise 500.000 bis 1.000.000 Tote auf beiden Seiten
  • Zerstörung der iranischen Infrastruktur und Wirtschaft
  • Entstehung einer Kriegskultur mit starkem Einfluss auf die iranische Identität

Der Krieg kostete den Iran schätzungsweise 600 Milliarden US-Dollar an direkten und indirekten Schäden. Die Wirtschaft lag am Boden, Städte wie Abadan und Khorramshahr waren verwüstet. Gleichzeitig hatte der Krieg die Revolutionsgarden als militärische und wirtschaftliche Macht gestärkt – eine Entwicklung, die bis heute nachwirkt.

Der Iran-Irak-Krieg festigte die innere Geschlossenheit des Gottesstaates, aber um den Preis einer verlorenen Generation und einer traumatisierten Gesellschaft. Die Feindschaft zu Bagdad prägt die iranische Sicherheitsdoktrin bis heute.

Wer wurde Nachfolger von Ayatollah Khomeini?

Auswahl von Ali Khamenei

  • Ali Khamenei wurde am 4. Juni 1989, einen Tag nach Khomeinis Tod, zum obersten Führer ernannt (Wikipedia)
  • Die iranische Verfassung wurde geändert, um die Ernennung eines niederrangigen Geistlichen zu ermöglichen (WELT)

Eigentlich sollte Khomeinis designierter Nachfolger Ajatollah Montazeri werden, aber dieser war 1989 in Ungnade gefallen, weil er die Massenhinrichtungen politischer Gefangener kritisierte. Khomeini entzog Montazeri die Nachfolge und liess den Weg für Ali Khamenei frei – einen Geistlichen, der damals kein Ajatollah, sondern nur Hojatoleslam (ein niedrigerer Rang) war.

Khameneis Aufstieg zum obersten Führer

  • Die Verfassung wurde revidiert: Der oberste Führer musste nicht länger den Rang eines Ajatollah haben (WELT)
  • Khamenei übernahm zudem das Amt des Oberbefehlshabers der Streitkräfte

Der Expertenrat wählte Khamenei mit 60 von 74 Stimmen zum neuen Führer. Die Verfassungsänderung – ein Akt, den Khomeini selbst autorisiert hatte – senkte die formalen Anforderungen bewusst. Khamenei war ein loyaler Gefolgsmann Khomeinis, aber theologische Schwergewichte wie Ajatollah Hossein Ali Montazeri waren ihm intellektuell überlegen.

Kontroversen um die Nachfolge

  • Die Nachfolge war intern umstritten und führte zu politischen Spannungen (Wikipedia)
  • Montazeri blieb bis zu seinem Tod 2009 eine kritische Stimme gegen das System
  • Die Verfassungsänderung wird bis heute von regimekritischen Geistlichen als illegitim kritisiert

Die Nachfolgefrage war die erste grosse Bewährungsprobe des Gottesstaates. Indem Khomeini die Verfassung für Khamenei biegen liess, zeigte er, dass das System letztlich pragmatisch funktionierte – ideologische Prinzipien wichen dem Machterhalt. Khamenei regiert bis heute, länger als Khomeini selbst.

Die eigentliche Kontinuität: Khamenei führte Khomeinis System nicht nur fort, er perfektionierte es. Was Khomeini aufbaute, stabilisierte Khamenei über Jahrzehnte – mit noch grösserem Sicherheitsapparat und noch engerer Verflechtung von Klerus und Staat.

Wie viele Frauen hatte Ayatollah Khomeini?

Ehe mit Khadijeh Saqafi

  • Khomeini hatte eine Ehefrau, Khadijeh Saqafi (Wikipedia)
  • Sie heirateten 1929, die Ehe hielt bis zu Khomeinis Tod

Khadijeh Saqafi war die Tochter eines Teheraner Geistlichen. Sie teilte Khomeinis religiöse Überzeugungen und unterstützte ihn während der Jahre des Exils. Anders als viele andere revolutionäre Führer führte Khomeini eine monogame Ehe – in einer Region und Zeit, in der Polygamie unter Geistlichen nicht unüblich war.

Kinder und Familie

  • Sie hatten sieben Kinder, darunter Ahmad Khomeini (Wikipedia)
  • Mehrere Kinder starben im Säuglings- oder Kleinkindalter
  • Sohn Ahmad Khomeini galt als möglicher Nachfolger, starb aber 1995 überraschend

Von den sieben Kindern erreichten nur drei das Erwachsenenalter: Ahmad, Zahra, Farideh und Fatima. Ahmad Khomeini war sein engster Vertrauter und spielte eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen Khomeini und der politischen Führung. Sein früher Tod im Alter von 49 Jahren – offiziell Herzinfarkt – nährte bis heute Spekulationen.

Privates Leben

  • Sein Familienleben war bewusst zurückgezogen und religiös geprägt
  • Khomeini verbrachte viel Zeit im Gebet, Studium und in der Koran-Rezitation

Khomeini führte ein asketisches Leben. Er schlief wenig, ass einfach und verbrachte die Nächte oft im Gebet. Seine persönliche Bescheidenheit – ein einfaches Haus, keine persönlichen Luxusgüter – trug erheblich zu seiner charismatischen Wirkung bei. Er lebte, was er predigte, und das machte ihn für viele Iraner glaubwürdig.

Fazit: Khomeinis Familienleben spiegelt seine Doktrin: strenge religiöse Disziplin, asketische Lebensführung und absolute Kontrolle des privaten Raums – ohne die Widersprüche, die viele andere Revolutionäre später einholten.

Zeitleiste – Khomeinis Weg zum Revolutionsführer

  • 17. Mai 1900: Geburt in Chomein, Iran
  • 1921: Studium in Qom, Aufstieg zum anerkannten Rechtsgelehrten
  • 1963: Führung der Revolte gegen den Schah in Qom (WELT)
  • 1964: Exil nach Brandreden; zunächst Türkei, dann Irak, später Frankreich (WELT)
  • Februar 1979: Rückkehr nach Iran und Führung der Islamischen Revolution (domradio.de)
  • April 1979: Ausrufung der Islamischen Republik (WELT)
  • 3. Dezember 1979: Amtsantritt als erster oberster Führer
  • September 1980 – August 1988: Iran-Irak-Krieg unter Khomeinis Führung
  • 3. Juni 1989: Tod in Teheran; Beerdigung mit Millionen Trauernden (Wikipedia)

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Khomeini war der erste oberste Führer des Iran (Wikipedia)
  • Er starb am 3. Juni 1989 (Wikipedia)
  • Er hatte eine Ehefrau, Khadijeh Saqafi (Wikipedia)
  • Er führte die Islamische Revolution von 1979 an (WELT)
  • Das von ihm geschaffene System der Velayat-e Faqih besteht bis heute unter Khamenei fort (domradio.de)

Was unklar ist

  • Die genauen Umstände der angeblichen Ermordung von Ali Khamenei sind unbestätigt; es gibt keine gesicherten Belege für eine erfolgreiche Ermordung
  • Die genaue Zahl der Hinrichtungen von politischen Gefangenen 1988 ist nicht abschliessend geklärt
  • Das exakte Geburtsdatum Khomeinis variiert je nach Quelle (1900 vs. 1902) (ParsToday Deutsch)
Das Risiko der Verehrung

Die offizielle Historiographie des Iran stilisiert Khomeini zur unfehlbaren Ikone. Wer sein Erbe kritisch bewertet, riskiert im heutigen Iran Repression – das erschwert eine unabhängige historische Einordnung.

Stimmen zu Khomeini

„Die islamische Regierung ist keine Demokratie im westlichen Sinne. Sie ist die Herrschaft des göttlichen Gesetzes über das Volk.“

– Ayatollah Khomeini, aus „Islamische Regierung“ (Velayat-e Faqih), 1970

„Khomeini verwandelte die schiitische Tradition des Abwartens und der Zurückhaltung in eine revolutionäre Doktrin. Mit der Velayat-e Faqih schuf er ein politisches Theoriegebäude, das es vor ihm nicht gegeben hatte.“

– Historiker und Nahost-Experte, Bewertung des khomeinistischen Systems

„Der Imam ist von uns gegangen. Aber sein Weg, sein Denken und sein Erbe werden für immer unter uns sein. Wir schwören, sein Werk fortzuführen.“

– Ali Khamenei, Rede zum Tod Khomeinis, 4. Juni 1989 (Wikipedia)

„Khomeini hat dem Iran eine Identität gegeben, die weder westlich noch östlich ist – aber er hat diese Identität mit Blut und Unterdrückung erkauft.“

– Beobachter der iranischen Revolutionsgeschichte

Khomeinis Vermächtnis ist tief gespalten. Für seine Anhänger bleibt er der Erneuerer des Islam, der den Iran aus Abhängigkeit und Dekadenz führte. Für seine Kritiker – im Iran und international – steht er für Theokratie, Repression und die Militarisierung des schiitischen Islam. Die iranische Führung unter Ali Khamenei beruft sich bis heute auf Khomeinis Autorität, aber die junge Generation, die die Proteste von 2022/23 trug, stellt genau dieses Erbe in Frage.

Der Nachfolger Khamenei – Khomeinis treuer Gefährte – führt das System seit über drei Jahrzehnten. Ob es ohne ihn überleben wird, ist offen. Die Paradoxie der Geschichte: Khomeini hat einen Gottesstaat errichtet, der bis heute von einem Mann regiert wird, der nie dieselbe theologische Autorität erreichte wie der Gründer.

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Ein detaillierter Blick auf Ayatollah Khomeinis Leben und Exil zeigt, wie der Gelehrte aus der Provinz zur zentralen Figur der Islamischen Revolution wurde.

Häufig gestellte Fragen

War Khomeini ein Ayatollah?

Ja. Khomeini trug den Titel Ajatollah, der in der schiitischen Tradition einen hochrangigen Rechtsgelehrten bezeichnet. Der Titel wurde ihm in den 1950er-Jahren verliehen, nachdem er sich als Autorität in Rechtswissenschaft und Philosophie etabliert hatte.

Welche Bedeutung hat der Titel Ayatollah?

Ajatollah bedeutet „Zeichen Gottes“ und ist ein Ehrentitel für schiitische Geistliche der höchsten Gelehrsamkeitsstufe. Er berechtigt zur eigenständigen Rechtsauslegung (Idschtihad) und zur Nachahmung durch Gläubige.

Wie wird Khomeini von der internationalen Gemeinschaft beurteilt?

International ist Khomeini eine der polarisierendsten Figuren des 20. Jahrhunderts. Für den Globalen Süden und islamische Bewegungen war er ein antiimperialistischer Vordenker. Für westliche Regierungen und Menschenrechtsorganisationen steht er für die Geiselnahme von Teheran, die Unterdrückung von Opposition und die Einschränkung von Frauenrechten.

Welche wirtschaftlichen Folgen hatte die Islamische Revolution?

Die Revolution führte zur Verstaatlichung grosser Industriezweige, zur Enteignung des alten Adels und zu einer starken Abhängigkeit von Öleinnahmen. Der Iran-Irak-Krieg zerstörte die Infrastruktur nachhaltig. Die vom Westen verhängten Sanktionen verschärften die wirtschaftliche Isolation. Inflation und Arbeitslosigkeit prägen die Wirtschaft bis heute.

Wie beeinflusste Khomeini die schiitische Theologie?

Khomeini leitete eine theologische Wende ein: Er brach mit der jahrhundertealten quietistischen Tradition der Schia, die politische Enthaltsamkeit forderte. Die Velayat-e Faqih – die politische Herrschaft des Rechtsgelehrten – war eine theologische Innovation, die die Trennung von Religion und Staat aufhob.

Welche Kritik gibt es an Khomeinis Menschenrechtsbilanz?

Menschenrechtsorganisationen werfen Khomeini systematische Unterdrückung vor: Folter, willkürliche Verhaftungen, Zensur und Hinrichtungen in der Revolutionszeit – insbesondere die Massenhinrichtungen von 1988, bei denen Tausende politische Gefangene getötet wurden. Die genaue Zahl ist bis heute nicht offiziell bekanntgegeben.

Wie verhielt sich Khomeini gegenüber anderen Religionen?

Khomeini gewährte religiösen Minderheiten wie Christen, Juden und Zoroastriern offiziell Schutz als „Schriftbesitzer“. In der Praxis wurden diese Gemeinschaften jedoch diskriminiert und durch die Islamische Verfassung von politischen Ämtern ausgeschlossen. Die jüdische Gemeinde im Iran schrumpfte von rund 80.000 auf etwa 10.000 Mitglieder.

Welche Rolle spielte Khomeini in der Geiselnahme von Teheran?

Die Besetzung der US-Botschaft am 4. November 1979 durch studentische Anhänger Khomeinis erfolgte mit seiner stillschweigenden Billigung. Khomeini erkannte die Geiselnahme später öffentlich an und unterstützte sie als „zweite Revolution“ gegen den amerikanischen Imperialismus. 52 US-Diplomaten wurden 444 Tage festgehalten. Die Geiselnahme belastet die Beziehungen zwischen Iran und den USA bis heute.